{"id":1511,"date":"2023-01-31T14:01:02","date_gmt":"2023-01-31T14:01:02","guid":{"rendered":"https:\/\/fuer-kaliningrad.de\/?p=1511"},"modified":"2023-01-31T14:01:02","modified_gmt":"2023-01-31T14:01:02","slug":"kaliningrad-besuch-vom-26-bis-31-januar-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fuer-kaliningrad.de\/?p=1511","title":{"rendered":"Kaliningrad Besuch vom 26. bis 31. Januar 2023"},"content":{"rendered":"<p><strong><u>Kaliningrad Besuch vom 26. bis 31. Januar 2023<\/u><\/strong><br \/>\nTeilnehmerInnen: Gudrun Schmidt-K\u00e4rner, Irina Beberni\u00df und Theodor Siebel<\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 26. Januar 2023:<\/strong><br \/>\nFahrt mit dem Eurocity EC59 von Berlin nach Danzig, sehr bequem und angenehm.<br \/>\n<strong>Berlin HBF ab 12:52 Uhr<\/strong><br \/>\n<strong>Danzig an 18:27 Uhr<\/strong><\/p>\n<p>Im Zug haben wir den deutschen Generalkonsul von Kaliningrad, Herrn Hans G\u00fcnther Mattern, durch Zufall getroffen. Er war auch auf dem Weg nach Kaliningrad, sozusagen nach Hause. Wir hatten w\u00e4hrend der Fahrt unterhaltsame, interessante und angenehme Gespr\u00e4che.<\/p>\n<p>Nach der p\u00fcnktlichen Ankunft in Danzig am Hauptbahnhof um 18:27 Uhr wartete ein Taxi auf uns, welches uns bis zum Hotel &#8220;Tschaika&#8221; in Kaliningrad gebracht hat. Die Grenzkontrollen sowohl auf der polnischen als auch auf der russischen Seite nahmen ihre Zeit in Anspruch. Unser Gep\u00e4ck wurde durchleuchtet, wir wurden aber nicht kontrolliert, d. h. keine Leibesvisitation oder \u00e4hnliches.Unser Taxi erreichte unser Hotel &#8220;Tschaika&#8221; ohne Unterbrechungen gegen 23:00 Uhr. Dort hat uns dann Tatjana Pavlova erwartet und beim Einchecken unterst\u00fctzt bzw. geholfen. Wir waren fast die einzigen G\u00e4ste im Hotel. Unterbringung und Verpflegung waren gut und lie\u00dfen keine W\u00fcnsche offen.<\/p>\n<p><strong>Freitag, 27. Januar 2023:<\/strong><br \/>\nAm Freitagmorgen haben wir beim Fr\u00fchst\u00fcck im Hotel Vladimir Michailov getroffen. Er vertritt die deutsche Firma Cargobull, Hersteller von Sattelaufliegern, Aufbauten und Anh\u00e4ngern. Cargobull ist Marktf\u00fchrer in Europa im Nutzfahrzeugbau. Durch die Sanktionen gehen die Gesch\u00e4fte schlecht.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend fahren wir zum<br \/>\n<strong>Treffen in Haus Chance<\/strong>.<br \/>\n<strong>Teilnehmerinnen des Gespr\u00e4chs:<\/strong><br \/>\nAnna, Viktoria, Tatjana, Irina, Svetlana und Lena vom Team des Hauses.<br \/>\nGudrun, Irina und Theo vom F\u00f6rderverein<\/p>\n<p><strong><u>Haus Chance<\/u><\/strong><br \/>\nDie P\u00e4dagoginnen im Haus Chance betreuen seit 20 Jahren Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses, die im Alter von 16 bis 18 Jahren aus den staatlichen Heimen entlassen werden. Viele der Entlassenen sind aber nicht in der Lage ein eigenverantwortliches Leben ohne elterliche Unterst\u00fctzung zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Diese Unterst\u00fctzung und Betreuung der Jugendlichen \u00fcbernimmt dann das Team im Haus Chance sehr erfolgreich.Viktoria, die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Tr\u00e4gervereins OFFENE WELT, berichtet \u00fcber ihre Arbeit im Haus Chance. Ihre Master-Arbeit in Soziologie \u00a0hat sie \u00fcber soziale Waisen im Kaliningrader Gebiet erstellt.<\/p>\n<p>Vom Team des Haus Chance werden 25 &#8211; 30 Jugendliche und 40 &#8211; 45 Familien ambulant betreut. F\u00fcr sehr viele Jugendliche und junge Erwachsene ist die Einrichtung ein Ersatz f\u00fcr das Elternhaus. Manche haben auch nach Jahren noch regelm\u00e4\u00dfig Kontakt und kommen sowohl bei freudigen als auch bei belastenden Ereignissen um einerseits die Freude, andererseits aber auch die Trauer mit den P\u00e4dagoginnen zu teilen. Wie in einem guten Elternhaus stehen die P\u00e4dagoginnen ihnen auch nach Jahren noch mit Rat und Tat zur Seite.<\/p>\n<p>Im letzten Jahr hat das Team zum dritten Mal den Pr\u00e4sidenten-Fonds gewonnen. Auch in diesem Jahr will Anna\u00a0 mit Unterst\u00fctzung des ganzen Teams wieder einen Antrag stellen, in dem neue Schwerpunkte ihrer Arbeit vorgestellt werden. Gro\u00dfe Chancen rechnen sie sich aller-<br \/>\ndings nicht aus, weil es der vierte Antrag ist.Des Weiteren will das Team an der Ausschreibung des Sozialministeriums f\u00fcr soziale Dienstleistungen teilnehmen. Sie m\u00f6chten in den Katalog der bezuschussten Dienstleister aufgenommen werden, um auch durch diese Arbeit wirtschaftlich unabh\u00e4ngiger zu werden.<\/p>\n<p>Nachdem Viktoria einem regionalen Radio-oder Fernsehsender ein Interview gegeben hat und zeitgleich die Internetseite von Haus Chance neugestaltet wurde, gingen einige kleine Spendengelder ein.<\/p>\n<p>Acht Jugendliche wohnen zurzeit im Haus und einer wohnt zur Probe in einem Heim. Aktuell sind es nur Jungs im Alter von 18 &#8211; 24 Jahren.<\/p>\n<ul>\n<li>Ein Jugendlicher wurde zur Armee eingezogen, er sei aber auch freiwillig zur Armee gegangen und habe sich f\u00fcr 2 Jahre verpflichtet. Ein wesentlicher Motivationsgrund war f\u00fcr ihn wohl der gute Verdienst im Vergleich zur heimischen Wirtschaft. Alle anderen seien wegen gesundheitlicher Probleme vom Milit\u00e4rdienst freigestellt worden.<\/li>\n<li>Ein Jugendlicher ist psychisch krank, leidet unter Impulsdurchbr\u00fcchen, was sich in aggressivem Verhalten \u00e4u\u00dfert. Anna hat eine Mentorin f\u00fcr ihn gefunden. Er hat Probleme mit Alkohol und bildet sich im Boxen aus.<\/li>\n<li>Ein 21-j\u00e4hriger ist geistig behindert, lebt im Heim und leidet unter Wahnvorstellungen.<\/li>\n<li>Zwei Jugendliche haben eine eigene Wohnung in der Stadt erhalten,<\/li>\n<li>zwei M\u00e4dchen aus der Tagesbetreuung ebenfalls.<\/li>\n<li>Drei Jugendliche studieren Schiffsbaumechanik, das Studium dauert 5,5 Jahre,<\/li>\n<li>einer geht zur Fachschule,<\/li>\n<li>zwei sind in einem Betrieb fest angestellt,<\/li>\n<li>zwei haben Nebenjobs und<\/li>\n<li>zwei sind in einer Ausbildung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Waisen, sowohl soziale als auch nat\u00fcrliche Waisen, werden im Studium staatlich unterst\u00fctzt, sind vom Wehrdienst befreit und erhalten freie Verpflegung und Kleidung.<br \/>\nAlle Bewohner zahlen ein regul\u00e4res Hausgeld. Zurzeit wohnen nur junge M\u00e4nner im Haus. Bei gemischter Bewohnerschaft, wenn es nicht 50% Jungs und 50% M\u00e4dchen waren, gab es vermehrt Konflikte.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe finanzielle Belastung f\u00fcr Haus Chance ist die j\u00e4hrlich anfallende Grundsteuer von 2&#8217;000,00 \u20ac, entsprechend 148&#8217;000,00 Rub (zum aktuellen Kurs von Ende Januar 2023: 1 \u20ac @ 75 RUB).<br \/>\nViktoria versucht eine Befreiung von der Grundsteuer zu erreichen, weil OFFENE WELT, der Tr\u00e4gerverein von Haus Chance, eine NGO ist und keinen wirtschaftlichen Gewinn erzielt.<\/p>\n<p>Die Kommunalabgaben wie Strom, Wasser und Heizung betragen in den privaten Haushalten im Winterhalbjahr monatlich 5&#8217;000 bis 7&#8217;000 RUB @ 66 \u20ac &#8211; 95 \u20ac, im Sommerhalbjahr ca. 3&#8217;000 RUB @ 40 \u20ac. Haus Chance hat im Jahr 160&#8217;000-180&#8217;000 RUB an Ausgaben f\u00fcr die Kommunalabgaben, was 2&#8217;100 \u20ac bis 2&#8217;400 \u20ac im Jahr entspricht (1 \u20ac @ 75 RUB).<\/p>\n<p>Anna und Elena betreuen eine psychotherapeutische Gruppe im Haus Chance mit 16 Jugendlichen in der Grundgruppe, insgesamt haben 22 Jugendliche teilgenommen. Die Jugendlichen haben sich ge\u00f6ffnet und gut mitgearbeitet. Es haben 10 Treffen stattgefunden. Bei den Jugendlichen besteht der Wunsch, diese Treffen fortzusetzen.Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Viktoria erkl\u00e4rt, dass die Finanzierung des Haus Chance exakt bis zum 31. Juli 2023 gesichert ist. Danach ist alles offen?!<\/p>\n<p>In der 2. Juniwoche dieses Jahres wird das 20-j\u00e4hrige Bestehen des Haus Chance gefeiert. Gudrun bittet die NGO OFFENE WELT darum, ein entsprechendes Fest zu organisieren. Sie wird auch die Liste der einzuladenden G\u00e4ste erstellen.<\/p>\n<p><strong>Patenschaften<\/strong><br \/>\nEin in der jetzigen Zeit sehr wichtiges Projekt des F\u00f6rdervereins sind die Patenschaften f\u00fcr Jugendliche und deren Familien in Kaliningrad. In diesem Jahr zahlen vier Nichtmitglieder und elf Vereinsmitglieder monatlich 25,00 \u20ac, also 300,00 \u20ac im Jahr zur Unterst\u00fctzung einer oder eines Jugendlichen in Kaliningrad. Svetlana und Lena vom Team des Haus Chance betreuen die Patenschaften. Meistens erhalten die Spender 2 x im Jahr einen Dankesbrief von den Jugendlichen, vor allem von den h\u00e4ufig alleinerziehenden jungen M\u00fcttern.<\/p>\n<p><strong>Mittagessen auf Einladung von Igor Krasnjanskij<\/strong><br \/>\nZum Mittagessen werden wir von Igor Krasnjanskij (Vorsitzender der NGO OFFENE WELT) ins Restaurant El Greko eingeladen. Zum Beginn der Hilfslieferungen war er Leiter der Zollbeh\u00f6rde in Kaliningrad und f\u00fcr die Kontrolle der eingef\u00fchrten Waren verantwortlich und sp\u00e4ter der Transportminister in der Kaliningrader Regierung. Aktuell bekleidet er das Amt des Vorsitzenden der NGO OFFENE WELT. Er hat uns unter anderem \u00fcber die Schwierigkeiten der Verteilung der Hilfsg\u00fcter in den 90er Jahren berichtet. Unteranderem hat er f\u00fcr die Anklage und Verurteilung eines Kaliningraders gesorgt, der mit den Hilfsg\u00fctern auf dem Schwarzmarkt Geld verdienen wollte. Igor Krasnjanskij hat dann konsequent daf\u00fcr gesorgt und entsprechende Kontrollen durchgef\u00fchrt, dass die Hilfsg\u00fcter auch in den Kinderheimen und Schulen verteilt wurden.<\/p>\n<p><strong>Besuch der Sozialministerin Angelika Meister<\/strong><br \/>\nAnschlie\u00dfend besuchen wir die Sozialministerin<strong>, <\/strong>die in wenigen Tagen ihr zehnj\u00e4hriges Dienstjubil\u00e4um als Sozialministerin begeht. Unser Gespr\u00e4ch findet ohne Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter der Ministerin statt, wie es sonst \u00fcblich war. In der Oblast existieren 4 Zentren zur Familienunterbringung mit \u00e0 40 Kindern. Im Gebiet leben 3&#8217;200 Waisen, die meistens in Ersatzfamilien untergebracht sind. Ziel des Sozialministeriums ist immer, die Unterbringung der Waisen in Pflegefamilien zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Jede Pflegefamilie erh\u00e4lt je Kind ca. 600&#8217;000 RUB @ 8\u2018000 \u20ac einmalig, um die Wohnung f\u00fcr das Pflegekind zu besorgen. Das Kindergeld betr\u00e4gt ca. 7&#8217;000 RUB @ 93 \u20ac pro Monat f\u00fcr jedes Kind.<br \/>\nDie Altenpflegeeinrichtungen haben unter der Covid-19-Pandemie sehr gelitten. F\u00fcr ein halbes Jahr wurden die Einrichtungen wie <strong><em>Geschlossene Einrichtungen<\/em><\/strong> gef\u00fchrt. Durch diese belastenden Arbeitsbedingungen bestand eine hohe Personalfluktuation.<\/p>\n<p>Aufgrund der aktuellen politischen Situation ruht das Altenpflegeprojekt des F\u00f6rdervereins. Da wir aber fest davon \u00fcberzeugt sind, dass es auch nach dieser Krise ein Danach gibt, haben wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben und warten auf das politische Tauwetter.<\/p>\n<p><strong>Treffen mit den Jugendlichen<\/strong><br \/>\nNachmittags haben wir uns dann f\u00fcr eine Stunde mit den Bewohnern im Haus Chance getroffen. Es war ein offenes Gespr\u00e4ch. Ein Jugendlicher, der wohl schon in mehreren Heimen gewohnt hat, hat die Wohnbedingungen, aber insbesondere das Personal gelobt. F\u00fcr ihn ist es die bisher beste Heimeinrichtung, die er je erlebt hat. Unverst\u00e4ndlich ist f\u00fcr ihn unser Engagement in Kaliningrad. Dieses altruistische und zivilgesellschaftliche Engagement hat er bisher noch nicht kennengelernt. Er ist sehr \u00fcberrascht und erstaunt.<\/p>\n<p><strong>Abendessen mit den ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten<\/strong><\/p>\n<p>Abends treffen wir uns mit einigen ehemaligen Praktikantinnen und Praktikanten zum Essen im Parmesan:<\/p>\n<ul>\n<li>Natalja arbeitet bei der Firma Hipp, Hersteller von Babynahrung. Im Jahre 2006 er\u00f6ffnete der deutsche Babynahrungshersteller HIPP in der kleinen Grenzstadt Mamonow\u043e eine Produktionsst\u00e4tte f\u00fcr Babynahrung, S\u00e4fte und andere Getr\u00e4nke.<\/li>\n<li>Elena war einige Jahre Leiterin des Hanse-B\u00fcros Kaliningrad.<\/li>\n<li>Andreij, arbeitet als Dolmetscher und Reisef\u00fchrer, war fr\u00fcher Direktor im Deutsch-Russischen Haus und ist jetzt Vorstand im Verein der Freunde Kants.<\/li>\n<li>Jevgenij Soldatov wohnt und arbeitet in Kaliningrad. Seine Frau mit drei Kindern wohnt in Moskau.<\/li>\n<li>Vera Petrochenkova arbeitet an der Kant-Universit\u00e4t als Deutschdozentin.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Samstag, 28. Januar 2023:<\/strong><br \/>\nTatjana Pavlova holt uns ab und f\u00e4hrt mit uns in die Rominter Heide.Dort besuchen wir als Erstes Sergej Saez und seine Frau Marina. Zur Begr\u00fc\u00dfung gibt es beim Essen einen Samagon (selbstgebrannter Schnaps) als russische Spezialit\u00e4t. Wir werden reichlich bewirtet und er berichtet u.a., dass er einen neuen gro\u00dfen Stall f\u00fcr Milchk\u00fche baut. M\u00f6glicherweise ist die vermehrte Nachfrage nach Kuhmilch den Sanktionen geschuldet, weil dadurch viele Importe, auch im Lebensmittelbereich wegfallen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend fahren wir zu seiner Schwester Natascha Dobrovolskaja und essen dort zu Mittag. Natascha und ihr Mann bieten Ferienwohnungen oder auch Zimmer zum Wochenendurlaub mit Vollpension an. Au\u00dferdem richten sie auch gro\u00dfe Feiern wie Hochzeiten aus. Ihre Unterk\u00fcnfte sind von den Kaliningraderinnen und Kaliningradern wohl sehr begehrt. Nach der 2,5-st\u00fcndigen R\u00fcckfahrt trinken wir noch einen Absacker im Cafe Parmesan.<\/p>\n<p><strong>Sonntag, der 29. Januar 2023\u00a0 <\/strong><br \/>\nZum Fr\u00fchst\u00fcck treffen wir uns mit Viktor Romanovskij, ehemaliger Au\u00dfenminister der Oblast Kaliningrad. Grund seines Besuchs ist der Wunsch seiner Tochter Stefania Romanovskaija, geboren am 10. M\u00e4rz 1986 in Kaliningrad, nach Deutschland zu kommen. St. R. hat Psychologie studiert, aber noch nie in ihrem Beruf gearbeitet.<\/p>\n<p>Seit 10 Jahren wohnt sie in Polen und arbeitet dort als Verk\u00e4uferin. In diesem Jahr wollen die polnischen Beh\u00f6rden das Visum aber nicht verl\u00e4ngern. Sie m\u00f6chte aber unter gar keinen Umst\u00e4nden wieder nach Kaliningrad (Russische F\u00f6deration) zur\u00fcck. Sie spricht Englisch, aber kein Deutsch. Deutsch will sie wohl z\u00fcgig lernen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend fahren wir mit Tatjana Pavlova nach Jantarnyj (fr\u00fcher Palmnicken) zur Gedenkveranstaltung des <strong>Verbrechens von Palmnicken. <\/strong><\/p>\n<p>Am 27. Januar 2011 wurde unweit von Jantarnyj ein Denkmal zur Erinnerung an ein Verbrechen aufgestellt, das die Nazis am Ende des Zweiten Weltkriegs ver\u00fcbten. Es stellt H\u00e4nde dar, die sich gen Himmel recken und verzweifelt versuchen, sich am Leben festzuklammern. Das mehrere Meter hohe steinerne Denkmal des aus Danzig stammenden israelischen Bildhauers Frank Meisler symbolisiert den verzweifelten \u00dcberlebenskampf von \u00fcber 3&#8217;000 j\u00fcdischen KZ-H\u00e4ftlingen, die in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 1945 von SS-Wachleuten am Ostseestrand von Palmnicken ermordet wurden. (Aus: Kaliningrad, K\u00f6nigsberg, Das Kaliningrader Gebiet mit Memelland und Kurischer Nehrung von Gunnar Sturz: Das Verbrechen von Palmnicken, Trescher Verlag, 4. Auflage 2022).<\/p>\n<p>Jedes Jahr findet zu dieser Zeit eine Gedenkveranstaltung statt, die von der j\u00fcdischen Gemeinde Kaliningrads organisiert wird. Mitglieder der j\u00fcdischen Gemeinde, der Generalkonsul der deutschen Vertretung in Kaliningrad Matern, der Kaliningrader Gouverneur und viele andere Menschen nehmen an dem 6,6 km langen Marsch teil. Er beginnt in Russkoje und endet am Denkmal in Jantarnyi. Er soll an den Todesmarsch der j\u00fcdischen Frauen und Kinder am 31. Januar 1945 erinnern.Bei der Gedenkveranstaltung treffen wir auch Lena Senkova und Alexander Pachomowskij.<br \/>\nEs war schon ein bewegendes Gedenken! Nach der Veranstaltung gehen wir gemeinsam mit Lena, Alexander und dem Generalkonsul in einem Lokal in Jantarnyi zum Essen.<\/p>\n<p>Nachmittags besuchen wir Wassilij und Ludmilla Issaev in Selenogradsk. Auch hier werden wir f\u00fcrstlich bewirtet. Die Vergangenheit ist unser Gespr\u00e4chsthema. Wassilij Issaev, der ehemalige Kinderheimdirektor und sp\u00e4tere Leiter der Abteilung f\u00fcr Waisenkinder im Bildungsministerium, war f\u00fcr Gudrun Schmidt-K\u00e4rner der erste Kontakt beim Aufbau der Hilfsg\u00fcterlieferungen 1992.<\/p>\n<p>Abends treffen wir uns mit Lena Senkova und ihrem Mann Alexander Pachomoskij, ebenfalls eine ehemalige Praktikantin und ein ehemaliger Praktikant im &#8220;Season&#8221; zum Abendessen und Absacker. Zwischenzeitlich sind sie sehr erfolgreiche Unternehmer und vertreiben aktuell Wurstwaren. Ihre Produktionsst\u00e4tte befindet sich in Salessije (Zales&#8217;e). Angefangen haben sie vor Jahren mit einem Gew\u00fcrzhandel.Beide haben uns w\u00e4hrend dieser Reise finanziell sehr unterst\u00fctzt, abends zum Essen eingeladen und auch die Taxifahrt von Danzig nach Kaliningrad bis vors Hotel bezahlt.<\/p>\n<p><strong>Montag, der 30. Januar 2023<\/strong><br \/>\nZum Fr\u00fchst\u00fcck treffen wir uns nochmals mit Viktoria Schumilina, Anna Anzuta. \u00a0und Tatjana Pavlova zu unserem letzten Gespr\u00e4ch. Es geht vor allem um die Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten des Projektes Haus Chance durch den F\u00f6rderverein.Die Zahlung von Patenschaftsgeldern ist wohl m\u00f6glich, da es sich um pers\u00f6nliche Kontakte handelt.<\/p>\n<p>Von 12:00 Uhr bis 13:00 Uhr besuchen wir die Leiterin der Agentur f\u00fcr internationale und interregionale Beziehungen der Kaliningrader Regierung, Ala Ivanova. Leider ist die Leiterin erkrankt, so dass wir von ihrer Vertretung Liana Maximowa empfangen werden.\u00a0 Das Projekt Haus Chance ist ihr bekannt. Sie selbst hat auch Interreg Projekte betreut.<\/p>\n<p><strong>Interreg<\/strong> ist eine Gemeinschaftsinitiative des Europ\u00e4ischen Fonds f\u00fcr regionale Entwicklung (EFRE), welche auf die F\u00f6rderung der Zusammenarbeit zwischen EU-Mitgliedstaaten und benachbarten Nicht-EU-L\u00e4ndern abzielt.Nach wie vor wird der Kontakt zu NGO&#8217;s bef\u00fcrwortet. Die Russische F\u00f6deration bef\u00fcrwortet die Aufrechterhaltung dieser Kontakte. Sergej Saez und Natascha Dobrovolskaja sind ihr pers\u00f6nlich bekannt.<\/p>\n<p>Am Montag besuchen wir auch den deutschen Generalkonsul <em>Hans G\u00fcnther Mattern<\/em> in seinem Amtssitz. Es ist ein interessantes Gespr\u00e4ch \u00fcber die M\u00f6glichkeiten unserer Arbeit in Kaliningrad: Der zivilgesellschaftliche Austausch ist von <strong>offizieller deutscher Seite <\/strong>nach wie vor erw\u00fcnscht, denn <em>Es gibt immer ein Danach!<\/em> wie Wolfgang Apitz sagt.<br \/>\nDie Vertretung Brandenburgs in Kaliningrad wurde zum 31.12.2022 geschlossen, da deren Vertreter Herr Dr. Stein pl\u00f6tzlich und unerwartet verstorben ist.<\/p>\n<p>Lettland hat sein B\u00fcro ebenfalls geschlossen. Litauen, Polen und die BRD sind vor Ort noch durch eine Repr\u00e4sentanz vertreten. Litauen stellt selten Visa aus, wenn, dann nur Transitvisa f\u00fcr Russen!<\/p>\n<p>Russland behindert die Arbeit der Repr\u00e4sentanzen. Ein Visum f\u00fcr Deutschland ergibt keine absolute Sicherheit f\u00fcr die Einreise nach Deutschland. Der kontrollierende Beamte bei der Einreise entscheidet letztendlich, ob die Einreise erlaubt ist oder nicht.<\/p>\n<p>Die Kaliningrader Ministerien k\u00f6nnen beschlie\u00dfen, was sie wollen. Wenn es dem FSB (Inlandsgeheimdienst der Russischen F\u00f6deration) nicht gef\u00e4llt, hat das Ministerium keinerlei M\u00f6glichkeiten, diese Beschr\u00e4nkungen zu umgehen oder sogar aufzuheben. Man muss also &#8220;Unter dem Radar bleiben&#8221; und darf in der \u00d6ffentlichkeit nicht auffallen, weil man ansonst als &#8220;Ausl\u00e4ndischer Agent&#8221; disqualifiziert wird und m\u00f6glicherweise auch mit einer Einreisesperre belegt wird.<\/p>\n<p>Diese Umst\u00e4nde machen eine Hilfe sehr schwierig. Haus Chance kann also von uns keine finanzielle Unterst\u00fctzung erhalten, weil sie dadurch auch in gro\u00dfe Schwierigkeiten kommen k\u00f6nnen und z.B. jeglicher staatlicher Unterst\u00fctzung verlustig gehen k\u00f6nnten. Des Weiteren sind nach wie vor keine Hospitationen oder Praktika des Kaliningrader Personals in L\u00fcbeck oder Umgebung m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen also nur \u00fcber Umwege finanziell unterst\u00fctzen, damit die Herkunft unseres Geldes in der Buchf\u00fchrung nicht nachvollzogen werden kann. Zum Mittagessen mit Tatjana Pavlova treffen wir uns in der Pizzeria &#8220;Papscha Beppe&#8221;, ganz in der N\u00e4he des ZOB.<\/p>\n<p>Mit 2 Stunden Versp\u00e4tung fahren wir um 17:00 Uhr mit dem Linienbus von Kaliningrad nach Danzig. Mit der Versp\u00e4tung einbezogen hat die Fahrt von Kaliningrad nach Danzig 7 Stunden gedauert. F\u00fcr die Grenzabfertigung ben\u00f6tigten wir 1,75 h (1 h auf der russischen und 0,75 h auf der polnischen Seite). Das Gep\u00e4ck wurde durchleuchtet, wir wurden aber nicht gefilzt. Wir kommen gegen 22:00 Uhr in Danzig ganz in der N\u00e4he des Bahnhofs und des Hotels &#8220;Craft Beer Center Hotel&#8221; an. Nach einem kleinen Abendessen und einem Schlaftrunk (Bier) geht es auf die Zimmer.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen fahren wir nach einem guten Fr\u00fchst\u00fcck p\u00fcnktlich um 09:31 Uhr mit dem Eurocity nach Berlin. Gudrun hat damit ihr Ziel erreicht. Irina und ich steigen in unseren Anschlusszug nach Hamburg und von dort nach L\u00fcbeck um. Wir sind froh, nach dieser erlebnisreichen Reise wieder zuhause zu sein.<\/p>\n<p>Alle Kaliningraderinnen und Kaliningrader, mit denen wir gesprochen und uns ausgetauscht haben, haben sich \u00fcber unseren Besuch sehr gefreut, es waren 25 liebe Menschen.<\/p>\n<p>Theodor Siebel\u00a0\u00a0Oldenburg, den 27. M\u00e4rz 2023<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/fuer-kaliningrad.de\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/2023-01-26_01-31_Kaliningrad_Besuch-Reisebericht_mitgliederoffen.pdf\">Bericht als PDF anzeigen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaliningrad Besuch vom 26. bis 31. 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